6h-Lauf (vor der Haustür)
27. Juli 2025
Ich bin so zufrieden und so happy, wie es gestern gelaufen ist, mehr geht gar nicht.
Ich habe an dem Termin festgehalten, trotz Regenankündigung, einfach weil es keinen besseren Termin mehr gab, der weit genug von dem Termin im September entfernt war.
Ich bin um 5 Uhr aufgestanden und die Zeit hat dann um 5:20 Uhr gestartet. Die ersten Stunde war super, trocken, angenehm kühl, kaum Menschen oder Hunde unterwegs.
Dann kam 1h Regen, aber nicht sooo schlimm.
Dann war es trocken.
Es lief super, ich hatte eine große Straße zu überqueren und sehr oft Glück, dass gerade Grün kam, als ich mich näherte (vielen Dank dafür)
Ich war gut unterwegs, hatte 6km pro Stunde angepeilt und kam bis zur letzten Stunde auf deutlich mehr km/h.
Ich habe das Intervallmessen laufen lassen und die elektronische Dame hat mich auf jede Pause und jede Arbeitsphase (4min renne, 1:30 gehen) aufmerksam gemacht. Das lief bis 4h 30 gut. Danach brauchte ich deutlich öfter eine Gehpause.
Ich habe mir angewöhnt, dass ich in der Gehpause immer einen kleinen Schluck Wasser trinke. Auch die Verpflegung hat super geklappt. Ich hatte mir alles vors Haus gestellt und immer wenn ich etwas gebraucht habe, bin ich zum Haus gelaufen, habe mir ein neues Wasser oder eine Handvoll Oliven geholt.
Meine Verpflegung bestand aus Proteinriegel, Oliven, Chips (hatte ich in Schwindegg mal ausprobiert, war gut, Kalorien und Salz), Isogetränk und Wasser. Und eine halbe Banane.
Ich wollte die nassen Socken und Schuhe nicht tauschen, weil ich keine Zeit verlieren wollte. Das haben mir meine Füße mit entsprechenden Blasen honoriert.
In der letzten Stunde hatte ich dann noch eine Laufbegleitung, das war schön, wir haben dann, weil ich nicht mehr rennen konnte, die letzten Kilometer gehend zurückgelegt. Und weil ich in den 6h über 36km kam, habe ich noch eine knappe Stunde dran gehängt und habe meinen Marathon vollgemacht.
Ergebnis: 6h: 37,5km + 4.9km in Stunde 7
Fazit:
Wenn es für langsame Läufer:innen mit zusätzlichen Handicap keine geeigneten Rennen gibt, dann muss man es selbst organisieren.
6h-Lauf in Schwindegg
20. Oktober 2024
Ach ja, gestern war der Lauf. Die Nacht war erstaunlich gut, sooo viele Beschwerden nach dem Aufstehen habe ich nicht :)
Zuerst das Ergebnis: 35,8 km.
Ich hatte mir ausgerechnet, dass ich auf 36km kommen kann, wenn alles für mich optimal gelaufen wäre, auf 39km.
Hm, diese fehlenden 200 Meter, so what.
Das Wetter war wohl für die anderen Läufer:innen optimal, für mich leider zu warm. Die Sonne war schon nach dem Start um 10Uhr nach der ersten Runde (Runden à 2,3 km) voll da. Die ersten 3h liefen gut, d.h. ich konnte 3 Runden pro Stunde absolvieren, hatte mir in der ersten Stunde einen Vorsprung von 5min erlaufen, allerdings hatte ich den dann schon aufgebraucht, nach 8 Runden und die 9te lief ich dann mit 7min zu viel ins Ziel.
Was heißt zu viel?
Ich hätte 18 Runden laufen müssen, um den Marathon zu schaffen, d.h. 20min pro Runde.
Ab Stunde 4 war es dann harte Arbeit für mich und unterwegs hatte ich dann immer wieder Probleme mit der Atmung, konnte kaum mehr als 200 Schritte rennen, dann war ich wieder außer Atem. ....
Ich habe mich dann gefügt und bin die restliche Zeit gegangen. Habe genossen, dass ich es schaffe, 6h in Bewegung zu bleiben. Habe dann doch auch das schöne Wetter genießen können und fand es toll, dass es so ein Rennen in "Reichweite" gibt. Die Atmosphäre war sehr nett, viele Läufer:innen haben sich gegenseitig immer wieder aufgemuntert. Es war interessant zu sehen, wie die Profis laufen und dass es bei diesem Rennen möglich ist auch als Nicht-Profi dabei zu sein. Wie schon letztes Jahr kann ich das Rennformat nur empfehlen.
Ich habe auch überlegt, was als Nächstes kommt. Eine endgültige Entscheidung ist allerdings noch nicht gefallen. Dazu mehr im Blog!
Ultramarathon-Wanderung
20. September 2024
Nordstrand nach Husum und zurück
Wir hatten uns vorgenommen, in diesem Jahr noch einmal eine Weitwanderung zu machen, also was wir eben darunter verstehen. Weiter als z.B. 20km
Wir hatten ja den Bavaria Königsmarsch schon 2x mitgemacht und befunden, dass es zu anstrengend ist, durch die Nacht zu laufen.
Tagsüber wollten wir dann laufen, haben seit dem schon mehrere längere Wanderungen unternommen, auch mal > 30km. Es ist deutlich weniger anstrengend nach dem gewohnten Rhythums zu gehen (also morgens aufstehen und abends dann irgendwann ins Bett gehen).
In diesem Urlaub wollten wir die Strecke bis nach Husum angehen.
Da ich ja gerade für einen 6h Lauf trainiere, habe ich die Wanderung in meine sogenannte Ruhewoche gelegt, d.h. für mich laufe ich in der Ruhewoche keinen langen Lauf und auch weniger Kilometer pro Woche.
An welchem Tag, genau, das wollten wir vom Wetter abhängig machen, in Sturm und Regen gehen macht einfach nicht sooo viel Spaß.
Das Wetter hat es dann gut mit uns gemeint und wir haben einen trockenen, nicht zu warmen Freitag bekommen, mit ein wenig Wind.
Ganz entspannt haben wir dem tierischen Wecker überlassen, wann wir aufstehen, was so gegen 6.20 Uhr war.
Tagszuvor haben wir unser Frühstück schon vorbereitet, in Form von belegten Brötchen/Semmeln, dazu ein paar Energieleckereien wie getrocknete Cranberries, Nüsse und Gummibärchen und 2 Flaschen Wasser.
Der Hund kam in seinen Wagen und dann ging es um 7.55 Uhr los.
Die Strecke hatten wir uns natürlich vorher überlegt und kamen gut voran. Nach ca 5 km haben wir eine erste Pause gemacht, unser Frühstück gegessen und der Hund bekam eine Gehpause :).
Die Insel ist ja über dem Damm mit dem Festland verbunden, der Damm ist ca 3.5km lang und zieht sich entsprechend. Direkt vorher haben wir noch einmal eine kleine Pause gemacht, etwas getrunken, uns ein wenig gestreckt und gedehnt.
Einzelne Strecken sind lang gezogen und ein wenig eintönig. Da hilft es, wenn man eine Gesprächspartnerin hat, um die Zeit zu verplaudern, bis die kilometerlange Strecke geradeaus überwunden ist.
Der Damm war auch eine mentale Herausforderung, zum Glück gibt es viele Schafe und anderes Getier, dem man nachschauen kann, bis man dann endlich auf dem Festland ist.
Man ist natürlich nicht allein unterwegs, einige Radler haben das gute Wetter auch ausgenutzt. Lustigerweise haben wir viele von ihnen auf dem Rückweg wieder getroffen.
Nach 24km kamen wir dann in Husum an. Wir brauchten vor allem eine Toilette, etwas was unterwegs nur über Umwege anzutreffen ist. Die liebe Natur muss dann ab und an für einen „Austritt“ herhalten. Aber auch diese Orte sind auf dieser Strecke schwer zu finden.
In Husum haben wir dann eine längere Pause von fast 1.5h gemacht, haben zu Mittag gegessen, Energieriegel und weiteres Wasser eingekauft. Am Hafen haben wir noch eine kurze Sitzpause gemacht und dann ging es auch schon wieder nach hause.
Den Rückweg haben wir so ausgewählt, dass wir an der Buslinie entlang gelaufen sind. Für den Fall, dass uns die Puste ausgehen sollte, hätten wir einfach an der nächsten Haltestelle auf den Bus gewartet.
Die Sonne hat uns auf dem Rückweg verwöhnt, entsprechend habe ich an der Stelle am Hals, wo das T-Shirt aufgehört und der Schal noch nicht angefangen hat, einen leichten Sonnenbrand bekommen. Man muss auch im Norden mit Sonne rechnen!
Ehe wir wieder auf den Damm kamen, haben wir noch einmal eine Pause gemacht und da habe ich für mich festgestellt, dass ein halber Liter Wasser für den restlichen Weg zu wenig ist. Das Essen war sehr salzig gewesen und entsprechen habe ich Durst gehabt. Zum Glück haben wir noch einen Supermarkt passiert, dort habe ich dann noch einmal 1l Wasser und einen halben Liter Iso-Sportdrink geholt.
Hinter dem Damm haben wir wieder an der Bushaltestelle eine Pause gemacht, um etwas zu trinken. Da wir die Haltestellen-Linie abgelaufen sind, gab es dort noch weniger Möglichkeiten, Mutter Natur aufzusuchen. Auch das sollte man im Hinterkopf behalten, wenn man zu den Menschen gehört, deren Blase sich schnell bemerkbar macht.
Einen schönen Sonnenuntergang mit Caspar-David-Friedrich Himmelfärbung haben wir gesehen. 7.5km vor Zuhause haben wir eine letzte Pause gemacht, Steine aus den Schuhen geleert, auf einer Bank den Rücken ausgestreckt und dem vorletzten Bus nachgeschaut.
Müdigkeit, Durst und der Hund haben uns dann die letzten Kilometer durchlaufen lassen. Eine weitere Pause hätte zumindest für mich nur Frust gebracht, aus Erfahrung weiß ich, dass es einen Zeitpunkt gibt, dass muss ich durchlaufen, sonst laufe ich für eine lange Zeit nicht mehr.
Nach insgesamt 13h sind wir dann nach hause gekommen.
Unsere Recovery könnte besser sein :)
Nur trinken und aufs Sofa legen, das kann besser werden. Ein paar Dehnübungen habe ich gemacht, aber da wäre noch mehr gegangen.
Entsprechend haben meine Füße bis spät in die Nacht geschmerzt, ich bin immer wieder aufgewacht, gegen 1.15 Uhr das letzte Mal.
Der Tag danach ist erstaunlich gut verlaufen. Treppen hinunter gehen, da macht sich die Oberschenkelmuskulatur bemerkbar, aber nichts, was einen jaulen lässt.
Füße und Hüfte haben sich gut erholt, da ist es still (zum Glück!)
Insgesamt bin ich mit dem Ultramarathon von 44km zufrieden. Auch dieser Härtetest ist gelungen.
Und es ist eindeutig unser Ding, tagsüber zu laufen, lieber früh aufstehen und spät heimkommen als umgekehrt.
Forstenrieder Volkslauf
13. April 2024
Ich habe den Halbmarathon beim Forstenrieder Volkslauf mitgemacht.
Warum?
Ich wollte folgende Dinge üben:
- aushalten, dass mich viele überholen
- ausprobieren, wie weit ich mit meinem Training schon bin
- mit meinem Ehrgeiz-Terrier in der Situation diskutieren, was geht und was nicht
Und ich wollte mein Glück mit dem Wetter versuchen! Wir haben April, es hätte klappen können!
Fangen wir beim letzten Punkt an: es hat nicht geklappt. Ich habe mir maximal 17°C gewünscht, bewölkt, mit einem starken Regenguss in der Nacht auf den 13ten.
Bekommen haben wir alle Höchsttemperaturen um die 28°C, Sonne, und einen leichten Wind, also optimales Pollenflugwetter. Und für mich vieeeel zu warm. Gefühlt lagen 90% der Strecke in der Sonne.
Es haben mich einige überholt, nämlich die Läufer des 10km-Rennenes (Start war 15min nach dem Halbmarthon-Start) und viele haben mich zwischen Km 4 und 5 überholt.
Ich habe mich beim Start gleich hinten eingereiht und konnte meine Position halten.
Die Diskussion mit meinem Ehrgeiz-Terrier hat schon bei Km 5 begonnen. Ich dachte, ich könnte die Läufer vor mir irgendwann noch einholen, aber nach ca 40 min war es vorbei, da hat dann meine Atmung ausgesetzt und ich musste meine erste Gehpause machen. Ab da konnte ich 5min am Stück rennen (wir sprechen hier von 8,xmin/km) und dann war ich so außer Puste als wäre ich gesprintet. Und ich musste dann wirklich so lange gehen, bis ich wieder völlig ruhig geatmet habe.
Der Läufer hinter mir konnte mich dann 2x überholen, aber ich habe ich ihn dann wieder überholt und nach Km 10 konnte ich ihn endgültig abhängen.
Ich habe den nächsten Läufer vor mir dann immer mal wieder gesehen, aber es war dann auch meinem Ehrgeiz-Terrier klar, dass ich es nicht daschnaufe, wie man hier in Bayern sagt. Es ging einfach nicht.
Zum Glück hatte ich Trinken dabei, 500ml Wasser und 500ml Isogetränk, die haben mich gerettet. Nahrung konnte ich nur wenig zu mir nehmen, auch nur 4 Oliven. Für meinen Bauch war es schlicht zu warm.
Ich habe feststellt, 3h kann ich schon gut am Stück laufen. Für mich heißt das, Laufpausen gehören auch dazu.
Mein Fazit:
- Ich kann dieses Laufereignis nur empfehlen, für alle, die bei Volksfeststimmung einen 21km oder 10km Lauf ausprobieren wollen.
- Ich weiß nicht, ob ich mich nächstes Jahr noch einmal traue, im April zu laufen, wahrscheinlich versuche ich mich an der Winterlaufserie in Ismaning.
- Ich bin atemtechnisch an meine Grenzen gekommen, aber nicht mit der Muskulatur
- Ich werde mir Trailrunning-Schuhe zulegen, die Schuhe, die ich bei diesem Lauf anhatte, waren besser als beim 6h Lauf, aber nicht optimal
- Ich habe mich auch mental gut vorbereitet, habe sehr viele Podcasts gehört oder Videos angeschaut. Nicht nur, wie man für so einen Lauf trainiert, sondern auch, wie man seinen Erwartungen umgeht, mit den Unwägbarkeiten an dem Tag etc. Kann ich auch nur empfehlen
Insgesamt bin ich sehr zufrieden, besser ging es nicht!
Schwindegger 6h -Lauf
8. Oktober 2023, Schwindegg
Ich war 6h lang auf den Beinen! Voll stolz!
Kurz zu den administrativen Details:
Der Kurs in Schwindegg geht über 2349,22 Meter (amtlich vermessen!). In der Beschreibung steht, auf Asphalt und Naturwegen.
Start war kurz nach 10Uhr und das Ende wurde eben kurz nach 16Uhr mit großen Tröten vermeldet.
Das Wetter hatte ein Einsehen mit den Läufer:innen, es wurde nachmittags 20 Grad warm und es blieb trocken, ab und an kam eine kühle Windbö vorbei, nett für Menschen mit Hitzewallungen.
Es war ein gut organisiertes, familiäres Ereignis mit angenehmer Teilnehmerzahl (zumindest für mich). Und von einer Anfängerin (meine Wenigkeit) bis zu Profis (dem Sieger bei den Männern z.B.) war das ganze Spektrum an Lauferfahrung dabei. Es waren Geher:innen und Läufer:innen unterwegs.
Wie war es nun für mich?
Ich war natürlich am Anfang (und am Tag vorher und die Nacht davor) aufgeregt und habe ich mich darauf gefreut. Mental war ich gut aufgestellt, ich hatte für mich klar, dass ich alles gemacht hatte, was in der Zeit seit der Coronainfektion im Februar möglich war. Zwischendurch hatte ich mir ja noch eine kleine Erkältung eingefangen, musste 1 Woche pausieren, aber das habe ich hinten raus wieder gut gemacht.
Die erste Runde habe ich genutzt, mir die Strecke „anzuschauen“, die übrigen 15 Runden habe ich dann versucht, mein Rennen zu laufen. Es hat allerdings 2 Runden gedauert. Man lässt sich ja vom Läuferfeld mitreißen und ist dann vielleicht auch schneller, als man wollte.
Ich habe natürlich nach meinen Mitläufer:innen geschaut, mir kamen Gedanken, ob ich jemand einholen könnte oder dass ich mich nicht einholen lassen möchte. Alles störend für die Konzentration auf das Laufen.
Meine Lauf-App hat mir nach jedem Kilometer gemeldet, wie meine Pace ist und wie lange ich theoretisch für einen Marathon brauchen würde. Das war in Ordnung, das hat mir geholfen, mich auf das Rennen zu fokussieren.
Mit der Verpflegung habe ich auch alles richtig gemacht. Ich hatte meine Oliven ausreichend dabei, ein paar Energiebites mit Salz, sowie ein bitteres, isotonisches Getränk und natürlich Wasser.
Morgens gegen 6:20Uhr hatte ich einen Energieriegel „gefrühstückt“ und um viertel nach 9 bekam ich nochmal Hunger und da habe ich zwei Hände voll kleine Salzbrezln gegessen. Das hat dann ausgereicht, mich auf die ersten beiden Runden zu schicken.
Bei jedem weiteren Passieren meiner Verpflegungsbox habe ich einen guten Schluck aus dem Fruchtsmoothie genommen, nach 4 Runden habe ich mit dem isotonischen Getränk begonnen. Ich hatte immer meine Wasserflasche dabei. (Wenn ich am anderen Ende der Runde eine Hitzewallung bekomme, brauche ich dann und auf der Stelle, quasi sofort, kühles Wasser!).
Bis zur 9 Runde, nach 3h, also Halbzeit für dem Marathon, ist auch alles gut und nach Plan gelaufen.
Dann schlich sich eine leichte Übelkeit ein, die mir fast 4 Runden geblieben ist. Auch mein Geheimtipp mit den Oliven konnte mir da nicht helfen. Ich habe dann auch nur noch Wasser getrunken und ein paar Stück Banane gegessen. Und bin in der Folge immer langsamer geworden, musste Gehpausen einlegen.
Zu allem kam hinzu, dass sich gleich auf der ersten Runde herausgestellt hat, dass der Naturweg auf weiten Teile aus Grobsplit bestand. Darauf bin ich ziemlich gerutscht, meine Schuhe habe da einfach keinen Halt gefunden. (Ich habe mir an Stellen Blasen gelaufen, an denen ich normalerweise keine habe, überhaupt sind Blasen bei mir ein eher seltenes Ereignis.)
Das Ausbalancieren des „Rutschens“ hat sich auch bei meinem Gestell bemerkbar gemacht. Das war sehr anstrengend und hat mich ein wenig genervt und somit auch aus der Konzentration gebracht. Eine volle halbe Stunde lang war ich hoch frustriert, weil mir da klar wurde, dass ich mein Ziel, einen Marathon zu laufen, nicht schaffen würde. Ich habe dann von meiner lieben Familie, die für meine Verpflegung gesorgt hat, noch eine gute Portion Motivation bekommen. Das hat sehr geholfen.
Ich musste dann auch fast zwei Runden gehen, konnte (wollte) dann auch nicht mehr laufen. Nach einer weiteren Handvoll Brezln hatte endlich diese Übelkeit aufgehört und ich konnte dann die letzten beiden Runden noch einmal laufen. Ich habe es insgesamt auf 16 Runden und ein paar Meter geschafft.
Mein Fazit:
- Ich kann dieses Laufereignis nur empfehlen, für alle, die mal einen 6h-Lauf ausprobieren wollen.
- Mir bzw. meinem Körper fehlt noch die Lauferfahrung mit „ungeeigneten“ Schuhen auch so einen Kurs besser zu bestreiten
- Die zusätzlichen Kraftübungen haben mir sehr geholfen durchzuhalten, werde ich weiter machen
- Ich konnte immer wieder streckenweise allein laufen, das hat mir gut gefallen, ich werde bei Rennen bleiben, die eine überschaubare Teilnehmerzahl haben. Gleichzeitig war es nett, dass man sich freundlich begegnet und sich gegenseitig aufmuntert.
- Ich bin atemtechnisch an meine Grenzen gekommen, mit den Füßen auch, aber nicht mit der Muskulatur
Insgesamt bin ich sehr zufrieden, besser ging es nicht!
Wingsfor Life - WorldRun
8. Mai 2022, München 13 Uhr.
Habe mich schon auf den Tag gefreut, auch wenn ich mit meiner Vorbereitung nicht ganz so zufrieden war.
Das Wetter war mit hold, nicht zu warm, kein Regen, nur wenig Wind. Der Boden in dem kleinen Park, wo ich dann meine Runden gezogen habe, nicht allzu weich.
Morgens habe ich nach dem Frühstück meine Dehnübungen für meine Hüfte gemacht, um sie vorzubereiten. Wir waren also alle startklar.
Die Technik hat auf funktioniert, wie immer machen es die Organisatoren ja sehr unterhaltsam, sowohl die 15min davor, als auch während des Rennens hat man über die App nicht das Gefühl allein gelassen zu werden.
Im Park ist noch eine Dame mitgelaufen, wir waren in unterschiedlichen Richtungen unterwegs, sind uns also 2x pro Runde (Runde ca 700,) zweimal begegnet. Das war ebenfalls eine lustige Begebenheit und auch ein zusätzlicher Ansporn, für mich jedenfalls. Habe versucht, sie immer an den selben Stellen zu "treffen."
Mein Plan war ja, ich laufe in den ersten 30min 5km, in einer persönlichen Rekordzeit und dann quasi als Auslauf, zur Entspannung weitere 5km bis das Catcher Car mich eingeholt hat.
(ha, haha, hahaha...)
So, die Realität, der 1. Kilometer ging noch in 7:04. Nicht so schnell, wie ich mir das gewünscht hatte, aber wenn ich das Tempo halten kann, käme es hinten raus auch auf das Ergebnis raus.
Tja und dann war die Luft raus. Im wahrsten Sinne des Wortes war ich plötzlich außer Atem. Konnte es nicht fassen. Musste dann tatsächlich auch eine Gehpause machen. Ab dann wurde es hart. Ich musste immer wieder räuspern und husten und konnte einfach nicht schneller laufen. Damit hatte ich jetzt wirklich nicht gerechnet. Hatte ich doch mein Augenmerk auf meine Hüfte gerichtet. Die hat sich nicht gemuckst, die war brav und hat mich Runde und Runde getragen.
Ich habe mich dann angepasst, habe alle 3 Runden ungefähr eine Viertelrunde Gehpause gemacht. Als das Catcher Car mir gesagt hat, dass es schon 2km hinter mir ist, habe ich auf die feste Straße gewechselt, um dann den letzten Kilometer quasi im Sprint zu laufen. Das hat einigermaßen geklappt.
Endresultat: 7,97km (Mann, diese blöden 30m...)
Lustigerweise ist meine Laufapp automatisch mitgelaufen, die behauptet, ich bin 12km gelaufen.
Fazit: Habe mich gefreut, dass meine Hüfte mitgemacht hat. Habe mich auch gefreut, dass ich regelmäßig laufen konnte und gegen Ende noch mal anziehen konnte.
Werde nächstes Jahr eine andere Strecke laufen, vielleicht läuft die WorldRun App nach auch länger :)
50 km = Ultramarathon
Der Tag war gut ausgesucht. 6. November. Ein Samstag, so dass ich am Sonntag meine müden Knochen ausruhen konnte.
Das Wetter war optimal. Kein Regen, dafür schön kühl, morgens um die 2 Grad + und bis zum Ende meines Laufs wurde es um die 10 Grad.
Start war kurz vor 7 Uhr. Nebelschwaden zogen durch den Park, es war wunderschön, hätte es am liebsten auf Video aufgenommen.
Ich war nicht allein, es waren in jeder der 10 Runden immer Menschen im Park zu sehen, am Anfang hauptsächlich Sportler und Gassigeher, gegen 10Uhr dann auch vermehrt Spaziergänger.
Wie beim 6h Lauf im letzten Jahr lief ich eine 5km Runde, davon waren 10 zu absolvieren. Die erste Runde lief optimal, in 35, x mim, ich war euphorisch, als ich die zweite Runde begann und hatte da immer noch die Hoffnung mein Ziel von unter 7h erreichen zu können. Ich konnte meine Kilometergeschwindigkeit von 7min + x pro km auch lange halten. Bei Kilometer 15 musste ich tatsächlich die öffentlichen Toiletten aufsuchen, hat mich sofort 2min gekostet, richtig langsamer wurde ich ab Kilometer 20, ab da waren es dann 8min +x, mit der interessanten Ausnahme von Kilometer 28, den ich in 7:56 min absolvierte. Schon Kilometer 29 waren es dann 9min +x und dann wurde ich immer langsamer.
Verpflegung hat auch gut geklappt und hat gut gepasst. Ich war mit Smoothies und Macadamianüssen und Wasser unterwegs.
Schmerzen hielten sich bis zu letzten Runde in Grenzen, musste ab Kilometer 26 Gehpausen einlegen, die bis dann immer länger wurden.
In der letzten Runde habe ich die letzten 4km nicht mehr laufen können. Mein innerer Akku war alle, ich war auch mental leer und meine Muskeln und meine blöden Blasen haben geschmerzt. Aber ich bin trotzdem in guter Laune am Ende der 50km in 7h und 7min angekommen.
Fazit:
War ich enttäuscht? Ja, ein wenig. Natürlich, ich wollte ja unter 7h bleiben.
War ich zufrieden? Ja! Sehr! Ich habe die 50km geschafft, das allermeiste davon konnte ich laufender Weise zurücklegen. Meine Vorbereitungen waren gut, Ausführung war gut.
Verbesserungsmöglichkeiten? Hhm, da fällt mir nicht viel dazu ein. Ich habe in 2021 meine beste Trainingsleistung absolviert. Ich bin die 50km einmal in Bestzeit gegangen und einmal in Bestzeit gelaufen.
Mental fehlt mir noch die Ausdauer für mehr als die Marathonstrecke. Ich habe z.B. den Fehler gemacht, dass ich darauf gewartet habe, wann denn jetzt die schlimmen Schmerzen kommen. Das macht mürbe.
Dann habe ich festgestellt, dass es mich angefangen hat zu nerven, dass das GPS nicht mehr korrekt zählt. Das ist an sich keine Überraschung. Aber wenn dann die Runden scheinbar kürzer werden und Dir dann eine kleine bösartige Stimme erklärt, dass Du in Wahrheit keine 5km Runden läufst, sondern weniger und Du deshalb noch mehr Runden laufen müsstest. ... Das macht auch mürbe.
Und zu guter Letzt, ich habe in bei meinen langen Läufen den Zielwert auf 50km eingestellt gehabt, so dass mir die freundliche Dame immer auch erklärt hat, wie lange ich theoretisch noch für die restlichen Kilometer brauchen würde. Und da schnitt ich immer gut ab, war immer unter 7h. Natürlich habe ich erwartet, dass ich das dann beim Rennen auch schaffe. Als dann nach den ersten 5 Runden diese geschätzte Gesamtzeit sich immer mehr den 7h näherte, hat mich das auch ausgelaugt. Das werde ich beim nächsten Mal abstellen, das war nicht hilfreich.
Bavaria Königsmarsch 11-12. Juni 2021
(1x rund um den Starnberger See)
Vorbereitung:
Seit dem 10. Januar gehen wir Sonntags wandern. Wir haben mit einer kleinen Runde von 4 km angefangen und sind dann sehr schnell bei über 10km gewesen. In zum Teil wöchentlichen Abstand haben wir die Wanderzeit um 15min erhöht. Die letzten 8 Wochen waren es dann mit Pausen immer über 4h. Sonntag vor 2 Wochen sind wir dann mal 40km gegangen, um zu gucken, wie es uns damit geht. Ging gut :) Auch hinterher :)
11. Juni 2021
Gepäck wird gepackt, Lampen werden aufgeladen, Batterien für die Stirnlampen bereit gelegt, Semmeln geschmiert. Wir schaffen es auch, dass wir uns am frühen Abend nochmal hinlegen und fast 1h schlafen.
Pandemie bedingt bekommen die Teilnehmer feste Zeitschienen zugewiesen, in denen sie die Teilnehmerunterlagen abholen und dann als kleine Gruppe losmarschieren können.
Wir sind schon gegen 21:30 da, suchen Parkplatz, gehen gemütlich zum Dampfersteg. Die Teilnehmer sind zum Teil an ihren „Wanderhemden der Saison“ (heuer dunkelblau oder hellblau kariert) zu erkennen. Wir sitzen auf einer Bank am See und sind erstmal überwältigt von den vielen Menschen. Überwältigt, dass sich so viele Menschen auch ohne Maske „sammeln“. Mir fällt dann ein, dass man das früher so gemacht hat. Man nennt es wohl „Party machen“. Ich merke, dass ich innerlich noch nicht bereit bin. Aber deswegen machen wir ja auch bei einer Großveranstaltung mit, zu der nur 300 zugelassen sind und man in der Nacht geht :)
Unsere Zeitschiene ist 22:30 Uhr. Eine Mitwanderin bemerkt gegen 22:15 Uhr, dass am Stand wenig los ist, also gehen wir früher hin und siehe da, unsere Unterlagen liegen bereit. Da ich nochmal aus Klo musste, sind wir doch erst um 22:30 Uhr los gekommen.
Es ist keine Sportveranstaltung, sondern ist als gesellige Wanderung gedacht. Trotzdem gibt es Teilnehmer*Innen, die die Strecke walken und dann nach zum Teil 8h wieder am Ziel sind.
Trotzdem kann man auch Ziele haben.
Meine Ziele waren:
- nicht als Letzte ankommen (wegen mir sind wir beim ersten Mal, 2019, als Letzte angekommen. Meine damalige Wanderpartnerin, mit der ich die Tour auch heuer mache, wäre viel schneller gewesen)
- Nicht jammern (ich bin in 2019 nicht ohne Jammern angekommen, die letzten 8km waren wirklich hart….)
Ziel meiner Wanderpartnerin:
- Unter 15h angekommen, idealerweise unter 13h, super wären 12h
Am Anfang laufen wir hinter 2 Gruppen hinterher, eine Gruppe aus 3 und eine aus 2 Frauen. Meine Wanderpartnerin kümmert sich um die Karte auf Komoot. (Ich habe erkennen müssen, dass ich für bestimmte Dinge keine Geduld habe und dass ich auch nicht alles können oder kennen muss. (Ich fasse zusammen: es war ein Erkenntnisprozess.) )
Wir brauchen ungefähr 1.5h um uns aufeinander einzustimmen, wer schiebt den Hundewagen und wann, wie oft muss man auf die Karte gucken, stimmt der Weg, geht man den anderen hinterher oder verlässt man sich auf seine eigene Karteninterpretation. Wie schnell gehen wir, sollen wir die anderen überholen oder nicht.
Vor Tutzing (nach ungefähr 2.5h) muss man ein paar Treppenstufen hoch. Wir haben den Wagen hochgetragen, dabei ist dann der Hund samt Decke rausgerutscht. Wir haben alles eingesammelt und bemerkt, dass die Leine fehlt. Wir sind beide einige Minuten zurückgegangen, um die Leine zu finden, hat uns natürlich Zeit gekostet und die Laune war auch eher am niedrigsten Punkt.
Danach ging es allerdings aufwärts. Wir haben Vertrauen in die Karte bekommen und haben auch gesehen, dass wir Geschwindigkeitsmässig gut unterwegs sind.
Nach meiner Erfahrung braucht es auf so einer langen Strecke einen Tiefpunkt, den man überwinden muss.
Nach Erfahrung anderer, die ich auch bestätigen kann, sollte man sich mit den Menschen, mit denen man so ein Abenteuer bestehen möchte, vorher darüber unterhalten, welche Erfahrungen man mit Langstrecken hat und wie die jeweilige Person dann so drauf ist. Ehrlichkeit ist hier das Gebot. Als wir die Strecke 2019 gewandert sind, wussten wir beide nicht, wie wir uns nach 30km oder 40 oder am Ende fühlen würden. Wir haben uns versprochen, dass wir uns hinterher nicht böse sind, wenn die eine oder die andere sich irgendwann„komisch“ benimmt.
Wir sind dann nach Tutzing unsere eigene Geschwindigkeit gegangen, haben uns nicht mehr an den anderen orientiert und das hat unserer Wanderlaune auch gut getan. Ich konnte ein Paar beobachten, die unterschiedlich schnell unterwegs waren. Zuerst habe ich gedacht, die beiden kennen sich nicht. Dann aber hat die Frau eine kleine Pause gemacht, ist langsamer geworden und der Mann konnte zu ihr aufschließen. Sie haben sich ein wenig unterhalten, einmal auch über die gleiche Abbiegung diskutiert, an der wir auch überlegt hatten und dann sind sie weitergegangen. Sie wurde wieder ein wenig schneller und er konnte sein langsamer Tempo gehen. Von außen betrachtet hat es für beide nicht anstrengend ausgeschaut. Sie schienen sich bewusst, dass jeder von ihnen sein Tempo gehen muss, sonst klappt es nicht. Aber das war wohl kein Problem, weil sie sich ja ab und zu "getroffen" haben und ein paar Meter zusammen gegangen sind. Fand ich schön.
Die wenigen kniffligen Abbiegungen haben wir auch sofort gefunden und so sind wir dann nach 4h in dem ersten offiziellen Pausenrestaurant der Strecke eingetroffen. Unsere erste richtige Pause. Wir haben uns fast 40min gegönnt, mit Essen und Trinken und Klogehen.
Während in 2019 mir bei dieser Pause schon die Füße weh getan haben (falsche Schuhe), war es heuer gut auszuhalten (Gescheite Wanderschuh). Es waren noch einige Teilnehmer*innen vor Ort und es kamen noch ein paar nach uns an.
Erfahrungsgemäß beginnt dann die harte Zeit, weil man dann müde wird. Wir haben alles gegen die Müdigkeit versucht: Singen, Unterhalten, RedBull, Kaffeeschokolade….
Bei Sonnenaufgang nach 4Uhr fühlte ich mich immer noch wie erschlagen, offensichtlich hatte ich während der nächtlichen Pause zu viel gegessen. (Wieder was gelernt). Sonnenaufgang am See, wunderschön. Frösche quakten, Vögel zwitscherten, nur ein paar Wanderer unterwegs. Herrlich.
Tatsächlich ging es mir erst gegen 6Uhr wieder gut, die Müdigkeit war weg, der Kopf klar. Gegen 7Uhr waren wir dann bei der 2ten offiziellen Pausenstelle. Hier haben wir ein kleines Frühstück eingenommen und uns auch gute 20min gegönnt. Danach waren meine Beine schwer. Richtig schwer. Danach musste ich mit meinen beiden inneren Tieren sprechen (Ehrgeiz-Terrier vs. Schweinehund).
Wir hatten uns vorgenommen, nach gelaufenen 25km alle 5km eine kleine Pause zu machen. Die habe ich auch gebraucht. Kleine Pause heißt, hinsetzen oder Dehnen oder beides und Trinken.
An unserem „Marathon“-Halteplatz (kleine Kiesbucht bei Kilometer 42, auch ein schöner Ort, man kann von dort auf die Zugspitze schauen, kühl, weil im Wald gelegen. Der Hund konnte planschen) haben wir erneut eine Rast gemacht. Ich habe überlegt, ob ich auch meine Füße ins kalte Wasser stecke. Meiner Wanderpartnerin hat das gut getan, ihr nochmal einen tollen Aufschwung verpasst. Sie hat ihre Schuhe gewechselt und wäre dann einfach locker und flockig schnellen Fußes davon geeilt.
So, meine Füße haben mich wissen lassen, dass sie nicht noch einmal in die Wanderschuhe gehen, wenn ich sie jetzt raushole. Wir haben uns alle fünf darüber unterhalten (der Terrier, der Schweinehund, die beiden Füße und ich).
Ich habe mich durchgesetzt. Meine Wanderpartnerin hat ihre anderen Schuhe angezogen und dann sind wir weitergegangen. Ich bin dann sehr still geworden. (wollte ja nicht jammern, auch nicht innerlich).
Wir haben dann noch 2 kleine Pausen machen müssen, weil meine Hüfte sich beschwert hat.
Aber wir haben es alle geschafft. Wir konnten das Wetter genießen und die Aussichten. Es war trocken, aber nicht so heiß, wie 2019.
Wir haben dann nach 13h die beiden Treppen an den Zufahren zum Hafen überwunden und die noch steilere Treppe ins Zielrestaurant erklommen. Beide waren wir super zufrieden, stehend k.o.
Ergebnis: alle Ziele erreicht und gut angekommen.
Erkenntnisse:
- Wenn man so eine Strecke nicht allein geht, sollte man das vorher zusammen ausprobiert haben
- Man muss seine Geschwindigkeit an die "Mit-"Wanderer*innen anpassen (können) (es macht keinen Spaß und ist auch anstrengend, wenn man ständig zu langsam oder zu schnell unterwegs sein muss)
- Der Sonnenaufgang ist einfach total schön
Nachtrag: Sonntag:
Kein Muskelkater. Die Zehen, die gestern noch geschmerzt haben, sind wieder still. Ich freue ich auf die nächste Woche Sport. Alles gut. :)
Wings-for-Life-Run 9. Mai 2021, München ab 13Uhr
Voller Vorfreude habe ich mich im April für den Lauf angemeldet. Wie letztes Jahr auch, läuft man Pandemie-bedingt digital, also per App. Das „Catcher Car“, welches einem hinterher fährt und einen dann irgendwann einholt, fährt virtuell über Kopfhörer mit. Ich finde das Format lustig, man kann da wirklich seine Grenzen austesten und das Auto beendet dann den Lauf.
Ich hatte mir fest vorgenommen, die Strecke von 9,19km vom Vorjahr zu übertreffen. Das hatte ich auch noch vor bis ich zum ersten Mal den Wetterbericht gelesen hatte.
30°C am Sonntag!
Also 20°C mehr als zu den Zeiten, zu denen ich immer laufe!
Es wurden dann wohl „nur“ 25°C, aber das war natürlich auch zu warm.
Meine Lungen mögen keine warmen Temperaturen. Wenn es draußen mehr als 25°C hat, bin ich tagsüber hauptsächlich im Haus zu finden.
Also habe ich mein Laufziel auf das bayerische „schau ma mal“ heruntergeschraubt. Mein Ehrgeiz-Terrier lag schmollend in der Ecke.
Ich hatte mir eine Strecke ausgesucht und habe diese dann 30min vor dem Start noch einmal geändert, weil ich einen kleinen Park gefunden habe, in dem es zumindest streckenweise Schatten gab.
Warm machen, Kopfhörer in die Ohren und dann der Countdown und Start.
Die ersten 4km war ich für meine Verhältnisse schnell unterwegs, die einzelnen Kilometer in unter 8min, einen davon sogar in unter 7min. Also hatte ich ein wenig mehr als 4km Vorsprung, als das Auto gestartet ist. Dann war es einfach zu warm. Km 5 bin ich eingebrochen. Meine Lungen haben sich beschwert, ich musste mich dauernd räuspern, es war zu warm und zu viele Pollen, die der böige Wind auch gerne durch die Gegend gepustet hat. Ab da war jeder Kilometer über 8min. Ich musste sogar Gehpausen einlegen, weil ich komplett außer Atem war. Als das Auto dann nur noch 500m entfernt war (man bekommt das netterweise ja über Kopfhörer mitgeteilt), habe ich noch einmal einen Spurt versucht. Ich habe alles gegeben und war komplett fertig, als mich das Auto dann bei Kilometer 8,45 überholt hat.
Hhm, war ich enttäuscht?
Ja, ein wenig. Natürlich, mir haben ja nur 700m zu meinem Ziel gefehlt.
Aber ich bin auch mächtig stolz, dass ich soweit gekommen bin, trotz der Hitze. Für mich ein Erfolg. Und nächstes Jahr bin ich wieder dabei.
Mein 6h-Lauf
Oktober 2020
Vorgeschichte
Nach der Erkenntnis, dass ich für einen Marathon wahrscheinlich länger als die meisten offiziellen Zeitvorgaben von zwischen 5h und 5h 30 brauche, habe ich mir überlegt, an einem 6h-Lauf teilzunehmen. Die Idee eines solchen Rennens ist, dass man mehr als 42 Kilometer läuft, die Person, die die meisten Kilometer in diesen 6h zurückgelegt hat, hat gewonnen.
Ich hatte mir auch schon einen 6h-Lauf ausgesucht, der im Januar stattfindet und bei dem 5km-Runden gelaufen werden.
Ich mag zwar das Rundenlaufen nicht so, aber man kann im Leben nicht alles haben.
Und dann kam das Virus.
Planänderung
Nach einem halben Jahr Pandemie hat man so ein Gefühl dafür bekommen, was geht und was nicht. Laufen ging zum Glück. Und es ging für mich zum Glück auch gut. Also habe ich mir einen anderen Termin für meinen privaten 6h-Lauf ausgesucht. Ein Termin, der für mich persönlich viel besser war. Nämlich im Oktober. Da gibt es dann kaum noch Pollen in der Luft, auf die ich allergisch reagiere und das Wetter kann dann da auch schon kühler sein.
Gemäß den damals aktuellen Pandemieregelungen haben wir dann den Lauf geplant. Ich habe trainiert und meine Familie hat mich dann bei der Durchführung unterstützt, Catering und moralische Unterstützung geboten.
In meinem Freundes- und Bekanntenkreis kam die Idee gut an, einige haben sogar mit dem Gedanken gespielt, auch an diesem Tag ein paar Runden mit zu laufen. Übrig geblieben sind dann meine Laufpartnerin, die ihren ersten Halbmarathon laufen wollte und unsere Nachbarn.
Da meine Laufpartnerin und ich getrennt unterwegs waren, haben wir auch nicht gegen die Auflagen verstoßen.
Lauftag
Wecker klingelt 5:08. Aufstehen, Hund versorgen, Kaffee machen, alles wie immer.
Freue mich sehr, bin total aufgeregt, als wäre es ein offizielles Rennen.
Zum Frühstück gibt es eine Banane.
Um kurz nach 7 sind wir im Riemer Park. Nach Aufwärmen starte ich auf meine erste Runde. Die Runde sind wir vorab mehrfach gegangen, je nach Tag und GSP-Satellit, waren es zwischen 4.9 und 5.3km. Also war die Vorgabe, dass ich mindestens 8 Runden und dann noch ein bißchen schaffen muss. Ich habe mir für das Zählen kleine Steinchen gesammelt, die ich dann von einer in die andere Tasche steckte, sobald ich die nächste Runde anfing. Ich wollte mich nicht auch noch auf das Zählen der Runden konzentrieren müssen.
In der ersten Runde wurde ich noch von meiner besseren Hälfte auf dem Rad begleitet, das Tempo war gut. Das Wetter für mich geradezu wie bestellt: leicht regnerisch und windig, für mich angenehme 5 Grad, mit dem Potenzial auf maximal 15° anzusteigen. Herrlich!
In der dritten Runde trafen dann meine Nachbarn ein, sie haben sich langsam eingelaufen und sind mir dann gefolgt.
In dieser Runde hat meine rechte Schulter sich bemerkbar gemacht. Der rechte Arm bekam immer wieder Anfälle von Kribbeln und im Nackenbereich fühlte ich eine Verspannung. Also begann ich mit Strecken und Dehnungen. Immer wieder mit den Armen rudernd lief ich weiter.
Nach 3h lief meine Laufpartnerin freudestrahlend an mir vorbei, ihre erste Runde beginnend. Da lief es bei mir dann nicht mehr so rund. Die Schmerzen wurden schlimmer, zwischen den Schulterblättern schien sich alles zu verkrampfen, ich muss zwischendurch ausgesehen haben, als würde ich versuchen zu fliegen. :)
Nach km 28 musste ich dann mit dem Gehen anfangen. Einfach, weil die Schmerzen zu schlimm waren. Ich konnte meine Arme gar nicht mehr mitschwingen lassen, von Strecken und Dehnen war nicht die Rede. Also ging ich. Mit mir hadernd, mit mir diskutierend, stinksauer. Aber ich ging. Einfach weiter. Ich beendete diese Runde, bat um eine weitere Jacke, weil der Wind unangenehm auffrischte. Nach einer weiteren halben Runde konnte ich die Arme wieder mitschwingen lassen. Ich habe sogar mit Walking begonnen, wobei mir dann allerdings mein „Knochengestell“ sofort mitgeteilt hat, dass es diese Technik nach fast 4h nicht ausführen wollte. Also weiter schnell gehen, nicht walken.
Bei km 32 hat mich dann mein Nachbar freundlich gefragt, wie viel Zeit ich denn noch hätte. Ich habe auf die Uhr geschaut und voller Überzeugung gesagt, dass ich die restlichen 10km noch schaffe, eben gehend. Er hat genickt.
Ich habe allerdings dann angefangen zu rechnen. Rechnen, nach 32km. Lustige Idee.
Mein Ehrgeiz kam dann wieder zum Vorschein. Wie ein spielfreudiger Terrier sprang er neben mir her, stachelte meinen rechnenden Geist an, endlich wieder in Laufschritt zu verfallen.
Mir wurde nach einer weiteren Viertelrunde klar, dass ich es gehend nicht in 6h schaffen würde, die 42 km zu vollenden.
Mein Ehrgeiz-Terrier sprang hin und her.
Durch das Gehen hatte sich der Schmerz soweit aufgelöst, dass ich zu Beginn der Runde 8 wieder ins Laufen fallen konnte. Anders kann man es nicht nennen. Ich ließ meinen Oberkörper nach vorn fallen und dann holten die Beine auf. Mir kam dann wieder der Mann in den Sinn, der mich 2016 bei meinem Halbmarathon 3x überholt hatte. Er rannte immer heftig schnaufend, mit hochrotem Kopf und schwitzend an mir vorbei, bis ich ihn dann 2x einholen konnte, als er eine Gehpause einlegte. Nach dem 3. Mal konnte ich ihn nicht mehr einholen.
Mehrere berühmte Läufer*Innen haben erklärt, dass es „ok“ sei, wenn man mal eine Gehpause einlegt.
Also habe ich Runde 8 mit Gehpausen hinter mich gebracht. Die letzten beiden Kilometer, also genauer 2.2km, konnte ich dann sogar durchlaufen.
Das Glücksgefühl, als meine Uhr die 42.2 km anzeigte, bei 5h 56min, war unbeschreiblich. Mein Terrier hat Purzelbäume geschlagen und war hochzufrieden. Das war ich auch. Zufrieden. Ein tolles Gefühl. Ich liebe es, wenn ein Plan aufgeht und dieser Plan ging auf.
Es war auch toll, selbst zu erleben, was ich von so vielen Läufer*Innen gehört oder gelesen hatte, dass bei km 32 der „Mann mit dem Hammer“ kommt, einem also die Puste ausgeht, alles schmerzt und man sich total leer fühlt. Dass man, wenn man das irgendwie übersteht, noch einmal loslaufen kann, das habe ich mir nicht vorstellen können. Aber genauso war es. Diese Erfahrung hat mich mental stärker gemacht. Diese Gefühl der Zufriedenheit trägt lange und weit. Immer noch. :)