Über mich
Warum schreibe ich den Blog?
- Weil ich glaube, dass meine Erfahrungen, die ich im Laufe der letzten Jahre zum Thema Laufen mit Asthma gesammelt habe, für andere nützlich sein können
- Weil ich immer noch kaum Berichte, Vlogs, Blogs oder Ähnliches im Internet gefunden habe, in denen Menschen mit einem Handikap über ihre Lauferlebnisse berichten.
Wer bin ich?
Ich bin Anabel, Jahrgang 1970, seit 2016 ernsthafte Läuferin. Ich war schon immer sportlich, habe geturnt, verschiedene Kampfsportarten ausprobiert, habe jahrelang Judo und Karate gemacht. Mit Joggen habe ich erst spät angefangen, um mich für das Karatetraining fit zu halten.
Von A nach B kam ich mit dem Fahrrad, bin auch viel zu Fuß gegangen, aber nie zum Selbstzweck, es musste immer ein Ziel geben.
Ich hatte immer die Idee im Hinterkopf, dass ich irgendwann mal einen Marathon laufen möchte. Aber ich hatte immer auch andere Ideen, die gerade wichtiger waren, so dass ich dieses Ziel in meinen „jungen“ Jahren nie angegangen bin. Nach einem beruflich bedingten Umzug habe ich keinen geeigneten Verein für Kampfsport gefunden und die sportliche Bewegung wurde immer weniger.
Dann kam die Diagnose Asthma. Asthma als „Weiterentwicklung“ meiner Allergie, die mich auch mein Leben lang begleitet hat. Jetzt wusste ich, warum ich nicht mehr ohne Pause in den zweiten Stock hochkam. Ich hatte gedacht, ich habe einfach zu wenig Sport gemacht.
Widerspruch hat mich schon immer gereizt. Die Aussage der Ärzte, dass ich nun den Rest meines Lebens Medikamente nehmen müsse, dass ich zwar weiterhin Sport machen könne, gemäßigt zwar, aber immerhin, dass ich aber nicht mehr viel bzgl. Kondition zu erwarten hätte, hat mich gereizt. Die Idee des Marathons kam wieder auf. Ich bin wieder joggen gegangen.
Fünf Jahre nach der Diagnose hatte ich das Gefühl, mein Asthma „im Griff“ zu haben und da habe ich mit ernsthaftem Training begonnen. Ich habe viele, sehr viele Videos auf YouTube angeschaut. Habe sogar mal mit dem Gedanken an einen Personal Trainer gespielt, aber keinen gefunden, die/der sich mit Läuferinnen jenseits der 40 und mit Asthma und Übergewicht auskennt oder abgibt.
Also habe ich mir meinen eigenen Trainingsplan erstellt. Mehrere Pläne, immer wieder neue, immer wieder angepasst an meine körperliche Situation, aber auch an meine Lebensumstände. Immer in Absprache mit meiner behandelnden Ärztin.
Und jetzt laufe ich mit Asthma. Es macht Riesenspaß, ich hatte noch nie ein so gutes Körpergefühl, war noch nie so fit wie heute.
Ich bin keine Trainerin, ich bin kein Coach. Ich bin nur eine Läuferin, die noch gewisse Laufziele hat.
Ich wünsche mir, dass noch jemand von meinen Erfahrungen profitieren kann, so wie ich von den unzähligen Videos auf YouTube profitiert habe.
Wie habe ich wieder angefangen?
Die ersten Jahre nach der Diagnose war ich zwei bis dreimal die Woche joggen. Die ersten Male habe ich eine Strecke von 1 km in schnellem Gehen zurückgelegt. Ich habe damals nichts aufgeschrieben (getrackt, wie man heute sagen würde), daher kann ich das nur aus meiner Erinnerung erzählen.
Vielleicht nach zwei Wochen habe ich die Strecke dann in Intervallen von Joggen und schnellem Gehen absolviert.
Und weil ich auch das kleine „Monster “ Ehrgeiz zuhause habe, habe ich dann nach weiteren zwei Wochen die Strecke a.) verlängert (um weitere 1.5 km) und b) habe versucht, immer weniger Gehpausen zu machen.
Diese Strecke bin ich dann für ungefähr 3 Jahre gejoggt. Durch die Behandlung habe ich den Umgang mit meinem Asthma gelernt. Hauptsächlich durch Frühjahrsblüher ausgelöst, bin ich dann im Frühjahr, also ab Januar bis Ende April, kaum joggend unterwegs gewesen. So lässt sich natürlich nur bedingt Kondition aufbauen.
Dann habe ich angefangen, die Strecke immer weiter zu verlängern, habe mich an den Straßen orientiert, bin also bis zur nächsten Kreuzung gelaufen. Als ich das dann mal mit Hilfe des Internets nachgeschaut habe, waren das zusätzliche 550m.
Ich bin auch gegen mein Übergewicht gelaufen. Ich lief sozusagen um essen zu können. Heute esse ich, um laufen zu können.
Läuferin geworden
Meine Ärztin hat mich vorsichtig auf den Gedanken gebracht, man ist, was man isst. Mit Hilfe der Lebensmittel, die ich zu mir nehme, könnte ich auch meine Allergien und somit mein Asthma positiv beeinflußen. 5 Jahre nach der Diagnose war ich dafür aufnahmebereit und habe angefangen, meine Ernährung umzustellen.
Wie immer, ist aller Anfang schwer. Ich habe mir Rat auf YouTube gesucht (Bin nicht auf Facebook). Angeschaut, was Menschen, die laufen, essen. Und über die Jahre habe ich das dann in meinen Speiseplan aufgenommen, habe einige Lebensmittel komplett gestrichen. Und siehe da, es hat alles positiv beeinflußt, meine Allergien, mein Asthma, mein Gewicht und mein Laufen.
Da ist in mir der Gedanke an den Marathon wieder gereift. Als ich das erste Mal einen Hügel mit 13% Steigung (Länge ungefähr 200m) im leichten Trab erklommen habe, ohne Asthmaanfall, da habe ich mir gedacht, dann kann ich auch einen Marathon laufen.
Was würde ich jetzt über mich lachen. Aber an diesem Morgen war ich keine Joggerin mehr, sondern eine Läuferin. An diesem Morgen habe ich angefangen aufzuschreiben, wie lange ich gelaufen bin, wieviele Kilometer ich zurückgelegt habe.
An diesem Tag habe ich mich nach Trainingsplänen im Internet umgeschaut. Und ein paar Wochen später dann mit einem Trainingsplan für einen Halbmarathon angefangen. Wie gesagt, das kleine Monster Ehrgeiz möchte auch sein Stück abhaben. Das war im April 2016.
Was ich in den ersten Monaten bis zu meinem Halbmararthon gelernt habe:
- Trainingspläne für Menschen ohne Asthma sind nichts für mich
- Ich werde nie einen Marathon gewinnen (nie ein Rennen gewinnen)
- Mindestens einmal in der Woche hat mich auf meiner Strecke ein älterer Mann überholt. Immer. Ich habe ihm nie davon laufen können oder ihn wieder überholen können. Mein Ehrgeiz und ich habe darüber immer wieder diskutiert.
- Nie ohne Asthmaspray oder Handy unterwegs sein
- Ein Asthmaanfall kann ich offensichtlich auch durch Anstrengung bekommen. Blöd.
- Jeder überholt mich
- Aber ich kann laufen, alle paar Wochen ein wenig mehr, ein wenig länger
- Ich verliere Gewicht, allmählich, aber kontinuierlich
Ich habe gelernt, mich einzuschätzen, was ich kann, was ich nicht kann:
- Schnelle Sprints können einen Asthmaanfall auslösen. Blöd.
- Anstrengende Hügelläufe auch. Blöd.
- Hügelläufe können Verdickungen an der Achillessehne auslösen. Auch blöd.
- Ruhepausen sind notwendig. Ehrgeiz sagt, auch blöd.
- Gute Ernährung hilft
- Wann und was man ißt
- Wann und wieviel man trinkt
- Gute Schuhe sind notwendig, absolut
- Teure Trainingsklamotten dagegen nicht
Halbmarathon
- Menschen mit noch mehr Gewicht, die jünger sind und kein Asthma haben, können mich überholen, wieder Diskussion mit dem kleinen, lieben Monster, das mich antreibt
- Menschen, die in schnellen Intervallen mit anschließenden Pausen laufen, können mich überholen,
Frage an mich selbst: Kann ich dann auch mal 'ne Pause machen?
Antwort Ehrgeiz: Nein, warum?
Asthma dagegen sagt: Ja, unbedingt. Jetzt z.B. (Habe gegen Ende Gehpausen einlegen müssen.)
- Menschen, die in schnellen Trippelschritten laufen, überholen mich. Sieht vielleicht lustig aus, aber kaum angestrengt.
Hhm, sollte ich mir mal überlegen (Viel später habe ich herausgefunden: Diese Technik nennt man "slow jogging", wurde entwickelt von Professor Hiroaki Tanaka)
- Im Ziel anzukommen: 1. Gefühl: Superstolz!